.
Das populäre Lexikon der ersten Male

"Es gibt nur einen Rekord, der niemals gebrochen werden kann: der Erste gewesen zu sein."

 
Titelbild Firsts
  THE PENGUIN BOOK OF FIRSTS

  Matthew Richardson
  Das populäre Lexikon der ersten Male
  Erfindungen, Entdeckungen und Geistesblitze
  von Abakus bis Zoo

  Eichborn Verlag 2000   (vergriffen)

Titelbild Erste Male

 
 
Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Sprache und Literatur
1. Schreiben und Drucken
2. Buchtypen und Literaturgattungen

II. Kunst und Musik
1. Bildende Kunst
2. Darstellende Kunst
3. Musik und Musikinstrumente

III. Essen und Trinken
1. Ernährung, Küche und Kochen
2. Nahrungsmittel und Getränke
3. Rezepte und Spezialitäten
4. Alkoholische Getränke

IV. Staat und Gesellschaft
1. Regierungsformen
2. Staatliche Programme und Einrichtungen
3. Soziale Ordnung
4. Gesellschaftliche Phänomene

V. Stadt und Land
1. Städte und Gemeinden
2. Bauwerke und Konstruktionen
3. Landkarten und Stadtpläne

VI. Krieg und Zerstörung
1. Methoden und Mittel der Zerstörung
2. Waffen und Waffentechnik
3. Krieg zu Wasser und in der Luft

VII. Philosophie und Religion
1. Philosophische Schulen
2. Moralphilosophische Thesen und Begriffe
3. Gesellschaftspolitische Vorstellungen
4. Naturphilosophie und Erkenntnistheorie
5. Religionen
6. Weitere Vorstellungen vom Göttlichen
7. Glaubenssätze und Aberglauben

VIII. Wissenschaft und Technik
1. Mathematik und Physik
2. Astronomie
3. Geowissenschaften
4. Chemie
5. Biologie
6. Medizin
7. Landwirtschaft
8. Industrielle Produktionsverfahren und Produkte
9. Energietechnik und Motoren
10. Instrumente und Apparate
11. Kommunikationstechnik

IX. Reise und Verkehr
1. Schiffe und Schiffahrt
2. Transport und Verkehr zu Land
3. Luft- und Raumfahrt
4. Forschungsreisen und Entdeckungen

X. Sport und Freizeit
1. Wettkampfsport
2. Freizeitsport
3. Spiele und Spielzeuge
4. Unterhaltung

XI. Schönes und Nützliches
1. Haus und Einrichtung
2. Haushaltsgegenstände und technische Geräte
3. Nützliche Produkte
4. Materialien
5. Für den persönlichen Bedarf

XII. Geld und Recht
1. Gesetzgebung und Gesetze
2. Verbrechen und Strafe
3. Handelsrecht
4. Banken und Versicherungen

Anhang
Chronologie der ersten Male
Berühmte erste Male – eine Liste der populären Irrtümer
Sachverzeichnis
 

Zum Autor

Matthew Richardson (1958) ist im austra-
lischen Canberra aufgewachsen. An der Universität von Canberra studierte er Jura, Geschichte, Philosophie, Literatur und Chinesisch.

Nachdem er einige Jahre als Rechtsanwalt gearbeitet hatte, wechselte er ins Verlags-
wesen. Als Lektor, Herausgeber und Beiträger wirkte er an vielen Büchern zu historischen, kulturellen und praktischen Themen mit. Das populäre Lexikon der ersten Male ist sein erstes ganz eigenes Buch.

Matthew Richardson lebt mit seiner Frau und den drei Söhnen in den Blue Mountains, einem Gebirgszug im Hinterland von Sydney.

Textauszüge

Science-fiction-Roman
In seinen Wahren Geschichten beschreibt Lukian (etwa 115-195 n. Chr.), der in Samosata (heute Samsat in der Türkei) geboren wurde, seine Abenteuer im Weltall und auf unbekannten Ozeanen, eine siebentägige Reise zum Mond eingeschlossen. Allen neuzeitlichen Behauptungen zum Trotz, Englisch sei schon immer die Verkehrssprache im All gewesen, stellten Lukian und seine Gefährten überrascht fest, daß man allerorts griechisch sprach.

Granny-Smith-Äpfel
Es war ungefähr im Jahre 1860, als Maria Smith (gest. 1870) in Eastwood (heute ein Vorort von Sydney) den Inhalt einer Holzsteige neben dem Bach, der durch ihr kleines Anwesen floß, auskippte. Darunter muß auch ein fauler Apfel gewesen sein, denn aus einem seiner Kerne entstand dort ein neuer Baum. Dieser trug eine neuartige Apfelsorte: sie war grasgrün, wenn sie reif war, schmeckte süß, eignete sich hervorragend zum Kochen und ließ sich unendlich lange ohne Kühlung lagern. Dieser merkwürdige Baum, dessen Existenz offiziell im Jahre 1868 dokumentiert wurde, ist der Vorfahr aller anderen Granny-Smith-Apfelbäume rund um den Globus.

Trinkbuch
Kleopatras Liebhaber Marc Anton war der erste einer ganzen Reihe leidenschaftlicher Trinker, die die Freuden des Suffs in einem Buch ausbreiteten. Marc Anton, der berühmte Verlierer der Schlacht von Actium (31 v. Chr.), ließ sich über seine Trinkfestigkeit in einem Buch aus, das nicht mehr existiert. Wir wissen davon aus den Schriften seines Zeitgenossen Plinius, der klagte: "Es war kurz vor der Schlacht von Actium, daß er dieses Werk auskotzte." (Historia naturalis, deutsch: Naturkunde,)

Kommunismus
Der erste aktenkundige Kommunist war der griechische Philosoph Iambulos, der um 300 v. Chr. wirkte. Er erklärte seine Prinzipien anhand eines fiktiven kommunistischen Utopia, eines "Sonnenstaates", den er auf eine Insel im Indischen Ozean verlegte. Die Bewohner des Sonnenstaates waren in Gemeinden oder "Systeme" aufgeteilt, die jeweils für das soziale und ökonomische Wohlergehen ihrer Mitglieder verantwortlich waren. Die Gesellschaft, von der Iambulos träumte, war absolut klassenlos und gründete sich auf die neuartige Vorstellung vollkommener Gleichheit. Jedes Mitglied der Gemeinschaft sollte seine Arbeitskraft einbringen, von allem seinen gerechten Anteil erhalten und dafür die Aufgaben sowohl eines Untertanen als auch die des Herrschers übernehmen. Wohlstand, Konkurrenzkampf, akademisches Lernen und Klassenkampf sollten abgeschafft und durch Harmonie ersetzt werden. 132 v. Chr. versuchte Aristonikos von Pergamon, ein solches Regime zu errichten, und zettelte die erste kommunistische Revolution an.

Der Mensch stammt vom Affen ab
Evolution des heutigen Menschen 
Der große islamische Wissenschaftler Abu Rayhan Muhammad Ibn Ahmad al-Biruni aus Choresm (973-1048 n. Chr.) zog den Schluß, daß die Menschen über ihre Vorfahren mit anderen Primaten verwandt sind. In seinem Buch Kitab al-jamahir erklärt er, daß die Gattung Mensch in einer Linie von sich immer höher entwickelnden Säugetieren abstamme, von denen uns die Primaten am nächsten stünden. Die Auffassung, daß es eine fortlaufende Entwicklung vom Urmenschen bis zum heutigen modernen Menschen (den wir Homo sapiens sapiens nennen) gegeben habe, wurde jedoch schon früher in China in einer Sammlung wissenschaftlicher und philosophischer Schriften, dem Huai Nan Zi, vertreten, die während der Han-Dynastie von Liu An (2. Jahrhundert v. Chr.) veröffentlicht wurde. Diesem Werk zufolge hat sich die Menschheit über fünf Spezies entwickelt, von dem rätselhaften "Kaminmenschen" bis hin zum heutigen "normalen Menschen".

Empfängnisverhütung
Glaubt man dem "Papyrus von Kahun", einem der ältesten ägyptischen Medizintexte, dann können Frauen, die an entsprechender Stelle eine Kugel aus Krokodildung und auyt-Salbe plazieren, Geschlechtsverkehr haben, ohne eine Schwangerschaft zu riskieren. Die Rezeptur für diese Vaginaleinlage ist etwa 4'000 Jahre alt, und vermutlich hat das älteste bekannte Verhütungsmittel der Welt sogar funktioniert (nämlich so ähnlich wie ein Diaphragma) und nicht nur auf das "Prinzip Hoffnung" gebaut. Es gibt noch einige weitere ägyptische Rezepte für Kontrazeptiva, manche davon aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.

Computer
Der älteste Rechner, von dem wir wissen, wurde vermutlich um 87 v. Chr. auf der griechischen Insel Rhodos gebaut. Er befand sich im Wrack eines kleinen Schiffes, das um 80 v. Chr. vor Griechenland sank. Gemessen am heutigen Standard dürfte seine Leistungsfähigkeit gering gewesen sein, doch der kleine, von Hand betriebene Apparat war ausgeklügelt und mit hoher Präzision gefertigt. Er diente dazu, die zeitaufwendigen astronomischen Berechnungen zu automatisieren. In einem Kasten von ungefähr 30 x 15 x 5 Zentimetern befanden sich drei Zifferblätter, und in jedes war ein weiteres kleines Zifferblatt eingelassen, vergleichbar der Sekundenanzeige in einer modernen Uhr. Einige Zifferblätter besaßen außerdem verstellbare kalibrierte Ringe, die zum Teil dazu dienten, den Apparat vom griechischen auf den ägyptischen Kalender umzustellen. Wegen der Beschädigungen ist es unmöglich, die genaue Funktionsweise zu rekonstruieren, und auch die Bedienungsanleitung an der Tür läßt sich nicht mehr entziffern. Genauere Untersuchungen brachten 31 Zahnräder und eine Antriebswelle zum Vorschein, doch das Raffinierteste an der Konstruktion ist ein drehbarer Tisch, der vom ältesten Differentialgetriebe der Welt bewegt wird. Rhodos, wo zu dieser Zeit Posidonius seine Schule hatte, war ein Zentrum für astronomische Studien, und Rechner, wie der aus dem Schiffswrack, könnten hier etwa 100 v. Chr. erfunden worden sein.

Röntgenstrahlen
Die später nach ihm benannten Strahlen entdeckte Professor Wilhelm Röntgen am 8. November 1895 in einem nur wenige Minuten dauernden Versuch. Röntgen arbeitete in Würzburg in einem abgedunkelten Labor mit Kathodenstrahlen, als er bemerkte, daß ein Stück Karton, das in einiger Entfernung von der Röhre stand, grün aufleuchtete. Der Karton war zwar mit einer lumineszierenden Beschichtung versehen, doch es gab keine Lichtquelle, die sie hätte anregen können. Röntgen hielt seine Hand in den Strahlengang der Röhre und sah die Schatten seiner Knochen auf dem Karton. Die Strahlen, die seine Hand durchdrungen hatten, nannte er "X-Strahlen", da er nicht wußte, wie sie hießen. Das wußte auch sonst niemand, aber Anwendungen fand man sehr schnell für sie. Bereits wenige Wochen später wurden sie in Wien für die "klinische Photographie" eingesetzt, die erste Anwendung in der Diagnostik. Der erste australische Patient, dessen Fraktur geröntgt wurde, war ein Schuljunge aus Adelaide. Er hieß William Lawrence Bragg (1890-1971).

Röntgenstrukturanalyse
Die Röntgenaufnahme machte Williams Vater, der in England geborene Physiker William Henry Bragg (1862-1942), der zu dieser Zeit in der "X-Strahlen"-Forschung arbeitete. 1908 reisten Vater und Sohn nach England. Anfang des Jahres 1913 gelang es Vater Bragg, die Beugung der Strahlen in einer Ionisationskammer zu bestimmen. Damit war der Grundstein für die Röntgenspektrometrie gelegt. Sein Sohn schloß sich ihm an, und zusammen benutzten sie die neue Methode, um Kristallstrukturen zu untersuchen. Ihre unermüdliche Arbeit im Laufe des Jahres 1913 schuf einen ganz neuen Wissenschaftszweig, die Röntgenstrukturanalyse. Und schon 1915 erhielten sie – als erstes Vater-und-Sohn-Team – gemeinsam den Nobelpreis für Physik.

Pneumatische Aufhängung
Der brillante Pionier der Dampflokomotive, der Engländer George Stephenson (1781-1848), erfand die pneumatische Aufhängung, um damit Entgleisungen zu verhindern. 1816 konstruierte er eine Maschine mit Achslagern, die sich in Führungen auf und nieder bewegen konnten. Von den Achsen liefen Kolben in Zylinder, die unter dem Kessel montiert waren. Dampf aus dem Kessel drückte in die Zylinder und hielt so die Räder auf den Schienen. Stephenson baute zwischen 1816 und 1822 mehrere Maschinen dieses Typs für den Einsatz in Kohlebergwerken.

Hockey
Die Griechen spielten bereits zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. Hockey. Sie verwendeten Schläger, die am unteren Ende gekrümmt waren, und hielten sich an Regeln, so daß das Spiel wohl kein primitives Jeder-gegen-Jeden war, sondern Geschick und Spielverständnis erforderte. Ein Fries in einer Athener Hauswand aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. ist das einzige Zeugnis, das wir von dieser Sportart haben. Es zeigt zwei Spieler beim Bully, während die anderen abwartend zusehen.



 
Startseite Lektorate Übersetzungen Texte
Serviceangebot 

 

Zum Eichborn Verlag